Rund ein Dutzend Handelspartner der größten Einkaufsverbände des österreichischen Einrichtungshandels Garant Möbel Austria und WohnUnion muss sich mit "fragwürdigen Praktiken der Warenkreditversicherer" (so Geschäftsführer
Christian Wimmer in einem Schreiben an den Versicherungsverband) herumschlagen. "Ohne Warnungen und in keinesfalls nachvollziehbarer Weise werden Kreditlimits unserer Mitgliedsbetriebe gekürzt oder gar gekündigt", klagt Wimmer (im Bild). "Das ist Ruf schädigend."
Etwa 400 hauptsächlich österreichische Erzeugerfirmen beliefern die von der
service & more Dienstleistungsgesellschaft betreuten knapp 250 Handelspartner mit Möbeln und Waren der Raumausstattung. Sie genießen den Schutz einer Ausfallshaftung: wird ein Händler zahlungsunfähig, sollen Warenkreditversicherer den
Schaden abdecken. Bis 2008 war das kaum ein Thema, doch im Zuge der allgemeinen Finanz- und Wirtschaftskrise begannen die Kreditversicherer damit, ohne Warnung Kreditlimits zu kürzen oder gar zu kündigen. Zu Beginn des heurigen Jahres wurden die Bedingungen weiter verschärft. "Während sich die Regionalbanken mehrheitlich als flexible und zuverlässige Partner erweisen, treiben die Warenkreditversicherer die KMUs in gefährliche Liquiditätsengpässe", ärgert sich Wimmer.
Er erläutert die Folgen am Beispiel eines oberösterreichischen Möbelhändlers, der Jahre lang gute Ergebnisse erzielt und lediglich einen geringfügigen Verlust im Jahr 2008 durch eine Eigenkapitalaufstockung abgedeckt hatte. Während der Kreditschutzverband 1870 diese Maßnahme mit einer Verbesserung des
Ratings honorierte, kündigte der Kreditversicherer (Atradius) das Kreditlimit und warnte die Lieferanten des Möbelhändlers. Erst nach rascher Vorlage einer vorläufigen Erfolgsrechung für das Jahr 2009 wurde die
Kündigung wieder zurückgenommen. Wimmer: "Zurück geblieben sind die Rufschädigung des Händlers, die Verunsicherung wichtiger Lieferanten und eine wochenlange Störung des Tagesgeschäftes."
Wimmer weiß, dass sich ähnliche Fälle auch bei Mitgliedern anderer
Einkaufsverbände und in anderen Branchen zutragen. "Im Einrichtungshandel sind solche Restriktionen sicher fehl am Platz, weil sich die Finanzlage der Branche stabil darstellt", sagt er. "Die Warenkreditversicherer müssen bei der Bewertung von KMUs und in ihrer Informationspolitik behutsamer vorgehen." Es könne nicht sein, dass sie ständig ihre
Prämien erhöhten, gleichzeitig aber
jegliches Risiko auf die KMUs abwälzen wollten. Wimmer: "Das widerspricht dem Geist des Versicherungsprinzips. Die global agierenden Warenkreditversicherer sollten sich ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst werden."